Chronik

"Seit urdenklichen Zeiten ist das Fasnetsbrauchtum in unserer Heimat zu Hause. Es stammt aus der Zeit, als die bösen Geister mit Masken und Grimassen ausgetrieben worden sind. In manchen Orten hat sich dieses Brauchtum bis auf den heutigen Tag erhalten. Ich zweifle kaum daran, daß auch bei uns einmal Masken vorhanden waren und es wäre zu wünschen, daß man in alten Schriften und Akten etwas finden würde, was über die Fasnet in Schapbach Aufschluss geben könnte."

So lautet der erste Eintrag ins Schriftführerbuch der Schapbacher Hamperle. Ganz sicher gab es aber schon vor der Gründung des Hamperlevereines in Schapbach fasnachtliche Aktivitäten. Es gibt Erinnerungen an Schnurrabende im Gasthaus Ochsen oder an Fasnachtsbälle des SV Schapbach, es gab als Zigeuner verkleidete Frauen, die schon vor 1960 in der Fasnetzeit um die Häuser zogen. Und im Predigt- und Verkündigungsbuch der Pfarrei Schapbach findet sich schon vor der Jahrhundertwende einen Hinweis: der Pfarrer rügt die jungen Mädchen und Burschen, die sich an der Fasnet zu lange auf dem Tanzboden aufhielten.

So ist es auch eher dem Zufall zu verdanken, dass diese Zusammenkünfte "Hamperle-Treffen" genannt wurde, den Namen also, den unser Verein bis heute trägt.

Am Fasnetmontag 1959, Punkt 16 Uhr, wurde der bereits oben erwähnte Erich Börsig für "tot" erklärt und auf einer Sauleiter von Wirtschaft zu Wirtschaft getragen bis er schließlich auf der Dorfbrücke "plotzen gelassen wurde".

Wahrscheinlich war dies der Startschuß des Hamperlevereines, denn bereits 1960 gab es am Fasnetsmendig einen kleinen Umzug mit 10 Musikern.

Die ersten drei Hamperle wurden mit einem Oberhamperle-Orden geehrt: Albert Rosenfelder, Hans Schmieder und Emil Harter.

Bereits 1961 nahm die Fasnet in Schapbach Gestalt an. Der Ortsbüttel lud am Sonntagmorgen die Bevölkerung zum Hamperletreffen am Rosenmontag ein. Ein neuer Hamperlemarsch erklang unter der Führung von Willi Waidele, die Weiblichkeit war erstmalig und in großer Zahl beim Hamperletreffen vertreten. 12 verdiente Hamperle erhielten die Oberhamperlewürde: Severin Künstle, Emil Rueb, Oskar Schätzle, Andreas Herrmann, Rudolf Armbruster, Paul Neumeier, Adolf Heizmann, Bernhard Weis, Willi Weis, Severein Armbruster, Josef Jehle, Ernst Lutz.

Am Rosenmontag dann wurde der erste Hamperle-Präsident gewählt: es war Paul Neumeier, der dieses Amt ingesamt 11,5 Jahre inne haben sollte.

Ab 1961 schärfte der Verein mehr und mehr sein Aussehen. Einer der Höhepunkte war die Wahl des "Elferates", der von nun an die Organisation der Schapbacher Fasnet führen sollte. Der Hamperleverein hatte nun eine komplette Vorstandschaft:

Hamperlepräsident: Paul Neumeier
Vizepräsident: Severin Künstle
Schriftführerin: Christel Schnurr
Beisitzer: Rosel Lutz, Adolf Heizmann, Emil Harter, Emil Rueb, Erich Börsig

Alle Zinken waren mit einem Wagen beim Umzug im Dorf vertreten, der sich vom städtischen Bockstall Richtung Obertal bewegte. Auch die Kaffeetanten waren dabei, sie führten natürlich einen Kaffeewagen mit sich.

Vor der Sonne gab es erstmalig ein großes "Wurst-Schnappen" für den Narrensamen, das Geld hierfür wurde in den örtlichen Wirtschaften mit Spendenbüchsen eingesammelt. An diesem Nachmittag traten in der überfüllten Sonne erstmalig als Zeitungsreporter verkleidete Schnurranten auf, die das Schapbacher Dorfleben gehörig auf die Schippe nahmen. Die Hamperle-Polizei wurde in diesem Jahr erstmalig einberufen.

1962 erhielt die Kinderschwester 5 Pfund Bonbons für den Kindergarten.

Auch fand in diesem Jahr die erste Elfemeß statt, und zwar am Fasnetdienstag bei der Maria ins Valeris Wirtschaft.

Die erste öffentliche Narrenversammlung fand 1963 statt, nachdem 1962 die ersten festen Mitglieder dem Verein beitraten und eine Mitgliedsgebühr erhoben wurde, mit denen die Ausgaben des Vereines bestritten werden sollten.

Im Dorf wurde ein Schnurrkasten installiert, mit dem die Schnurrthemen das Jahr über gesammelt werden sollten. Auch wurde beschlossen, am Rosenmontag in die Festhalle auszuweichen, da die Sonne aus allen Nähten platzte.

1964 gab es erstmalig eine "großes Schnurren" in verschiedenen Lokalen.

Auch dies ist bis in den heutigen Tag eine Tradition des Vereines geblieben.

Die ersten sechs Schnurrgruppen waren:

- Narrenpolizei mit Erich Börsig, Walter Hoferer und Willi’s Hamperlekapelle "Bautsch"
- Paul Neumeier und Albert Herrmann
- Adolf Brüstle und Ewald Armbruster
- Emil Rueb, Willi Lehmann und Roswitha Dreher
- Bernhard und Willi Weis
- Kaffeetanten mit Maria Schillinger, Lisa Weis, Luise Brüstle und Erna Harter

Ein "Kehraus" findet erstmalig statt, und zwar bei der närrischen Rosel im Gasthaus Sonne.
Der Elferat stand dieses Jahr wieder zur Wahl an:
- Hamperlepräsident: Paul Neumeier
- Vizepräsident: Josef Jehle
- Kassierer: Rosemarie Armbruster
- Schriftführer: Adolf Brüstle
- Beisitzer: Emil Rueb, Erich Börsig, Willi Lehmann, Emil Harter, Hermann Künstle, Willi Weis, Adolf Heizmann

Wie alljährlich trafen sich die Hamperle am 11.11.1969 zur Generalversammlung um die Fasnet 1970 zu eröffnen. Doch es ging nicht mehr alles wie alljährlich. Hamperlepräsident Paul Neumeier trat nach 10-jähriger Amtszeit wegen Zeitnot und beruflicher Überlastung zurück. Josef Jehle stellte sich für die restliche Amtszeit (bis1971) der laufenden Periode zur Verfügung.

Zusammen mit der Grund- und Hauptschule wurde 1971 die Kinderfasnet eingeführt. Außerdem wurde der Bad Rippoldsauer Bürgermeister Hubert Schmid von den Schapbacher Hamperle entführt, was ja wie bekannt auf die weitere Geschichte unseres Ortes erheblichen Einfluß haben sollte.

Am 11.11.1971 wurde der Hamperleverein ein eingetragener Verein und Ex-Präsident Paul Neumeier kehrte als Steuermann zurück. Ortspfarrer Erich Schmidt erhielt eine närrische Predigtschärpe "Fasse Dich kurz".

Der neugewählte Elferat setze sich wie folgt zusammen:

- Hamperlepräsident: Paul Neumeier
- Vizepräsident: Hermann Künstle
- Kassierer: Adolf Brüstle
- Schriftführer: Hermann Schmieder
- Beisitzer: Hermann Schillinger, Erich Börsig, Bernhard Weis, Meinrad Weis, Max Schillinger, Olga Borzc, Albert Rosenfelder.

Die Satzung wurde geändert, der Mitgliedsbeitrag auf 5,- DM festgesetzt und die Wahl des Präsidenten und Elferrates auf alle drei Jahre festgelegt.

Im Gemeinde- und Kreisreformjahr 1973 wurde unser neuer Landrat aus dem Landratsamt Freudenstadt nach Schapbach entführt. Er mußte in Ketten gelegt vom Dorf aus in den Ochsen marschieren.

Der Elferat erhielt endlich eine eigene Montur, die von fleißigen Hamperlefrauen angefertigt wurden.

Schon Anfang der 70er Jahre enstand der Gedanke, auch eine Maskengruppe im Verein zu etablieren. Ursprünglich sollten es "Bären" werden, als Bestandteil unseres Gemeindewappens. Aber auch Seejungfrauen waren im Gespräch, doch schließlich entstanden die "Käfzgeschneller" als erste Häsgruppe. Es folgten die "Nachtfrauen" und die "Bockseckegeister", seit 1984 erscheint alljährlich der "Hamperle-Brägel", unsere unerreichte Vereinszeitschrift.